Wie (kalt)herzlich sind Deutsche?

Veröffentlicht auf von Susan Heat

GeistesAustausch zum Morgenkaffee – ein liebgewonnenes Ritual

 

Mein Morgenritual, zunächst mit einem Caffee latte in meinem Blog zu schreiben oder emails zu beantworten.

Für mich ist es ein liebgewordenes Ritual, das ich sooft wie möglich zelebriere. Es ist sozusagen meine Geistesnahrung am frühen Morgen mit dir in Email-Austausch zu treten. Sicher, es ist nicht so romantisch wie der ehemals gepflegte Briefwechsel auf feinstem Büttenpapier. Aber das Posten in meinem Blog und das Beantworten persönlicher elektronischer Post hat einen unschlagbaren Vorteil: Es ist so schnell, dass es einfach eine Freude macht, sie zum Austausch zu nutzen. Zumal wenn es gelingt, sich nicht auf Kurzformeln und Sprachverstümmelungen zu reduzieren, sondern es wirklich als Gedankenaustausch betrachten und das ist einfach unbeschreiblich, herrlich kommunikativ, anregend für Geist, Körper und Seele.

 

 

Weltmensch wird man nicht durch das übliche Reisen, durch internationalen und zwischenstaatlichen, offiziellen Verkehr, sondern, durch die geistige Versenkung und das Leben der Menschen, der Nationen, der Menschheit.
TOMÀŠ G. MASARYK

 

Es stimmt, wir haben das Leben im Großen und Kleinen reflektiert, Lösungen gefunden – unsere ganz persönlichen und für viele andere. Menschen liegen uns am Herzen, besonders Frauen, Veränderungen und das Wohl für viele. Darüber tauschen wir uns aus und lassen nun Frauen daran teilhaben. Natürlich können es auch Männer lesen, zum Dazulernen und um ihren Blick für die weibliche Sicht der Dingen zu schärfen – for a better human world. Also für eine bessere und menschlichere Welt.

<em>Freundschaft


Jedes interessante Wissen, wenn es der andere noch nicht mit mir teilt, Empfindung und Erfahrung,
ist mir ein Berg, der mich von dem,

mit dem ich mich vereinigen möchte, trennt.</em>
KAROLINE VON GÜNDERODE, BRIEFE AN GUNDA BRENTANO, 11. AUGUST 1801

 

Was mich derzeit besonders in Deutschland immer wieder nachdenklich macht, ist die Distanz, die die Menschen hierzulande zwischen sich schaffen, die Angst, miteinander zu reden, sich auszutauschen – Kommunikation als Bereicherung zu begreifen und nicht als Bedrohung.

 

Es stimmt wohl, was du mir vor kurzem geschrieben hast. Es gibt wenig Orte, wo die Menschen sich so fremd sind und nicht einmal ihre unmittelbaren Nachbarn kennen. Sicher in New York, Tokio, Toronto und noch einigen Orten auf diesem Globus wird noch ähnliches gelebt, aber warum eigentlich?

 

Warum haben die Deutschen soviel Angst, miteinander in Kontakt zu treten, außer wenn sie in den Süden in den Urlaub fahren und dort auf einmal all das praktizieren, was ihnen daheim unmöglich erscheint.

Vor ein paar Tagen beobachtete ich an einer Straßenbahnhaltestelle am Jan-Wellen-Platz in Düsseldorf eine ältere Dame mit einem Kinderwagen. Ich war ihr zuvor vor den Schadow-Arkaden begegnet. Da hatte sie mich schon recht missbilligend zwischen ihren Zähnen angezischt, weil ich eine Chiffonkappe trug, eine etwas auffällige Sonnenbrille und der Reißverschluss meiner knallroten Jacke einen Hauch von Busen erahnen ließ. Das fand sie im 21. Jahrhundert mehr als anstößig. Nun denn, ihre Meinung, die mich nicht weiter berührte, da ich nach dem Motto lebe: Die bunte Vielfalt macht unser Leben aus und wir sind nicht auf Erden, um über andere zu richten.
Später an der Haltestelle saß diese Dame neben einer anderen, viel älteren, auf der Bank des Wartehäuschen der Straßenbahnhaltestelle. Ich hörte, wie sie gerade die Ältere in recht barschem Ton zurechtwies, die völlig zerknirscht in sich zusammenfallen war und betroffen zu Boden schaute.

 

„Ich würde nie einem fremden Kleinkind meine Finger in den Mund stecken. Es können sich Entzündungen bilden, das ist unglaublich ....“, fauchte sie im barschen Ton.

 

Nun gut, natürlich möchte eine Großmutter und Mutter nicht, dass Fremde ihren Kleinen die Finger in den Mund stecken. Warum sollten sie auch? Wobei für mich klar war, was das in diesem Fall wirklich bedeutete. Hatte die alte Frau wirklich dem Kind den Finger in den Mund gesteckt oder einfach das üblich „eitudeitu“ mit dem Baby gemacht, was ja ein Baby fast in jeder Frau hervorruft.

 

Hätte es nicht einfach gereicht, ihr zu sagen, dass dieser Akt einfach ein wenig zu weit ginge, anstatt sie mit Worten in Grund und Boden zu stampfen?

 

Mal abgesehen davon, wer was wie gemacht von diesen beiden Frauen, fällt mir immer wieder auf, dass andere gern einen Schuldigen suchen, die Fehler des anderen, um ihm dann mal ordentlich die Meinung zu sagen. Und was haben dann beide - wie in dem vorgenannten Fall- davon? Meiner Meinung nach hat die eine endlich jemanden gefunden, um ihre eigene Unzufriedenheit über was auch immer loszuwerden. Die „runtergeputzte“ Oma hatte sicherlich ein schlechtes Gewissen, dabei wollte sie einfach nur nett zu einem Baby sein.

 

In Italien und sonst wo in südlichen Gefilden, hätte es diese Situation gar nicht gegeben. Ganz einfach deshalb nicht, weil Kinder einfach Prinzessinnen und Könige sind und dass Fremde den Kleinen etwas Nettes sagen und ihnen über den Kopf streicheln ist dort nicht nur normal. Kinder bedeuten Reichtum, Leben und sind kein Besitz – weder von Müttern noch von Großmüttern und etwas mehr Toleranz untereinander stünde auch deutschen Großmüttern gut zu Gesicht. Zumal zu behütete Kinder und solche, die steril gegenüber Umwelteinflüssen gehalten werden, unselbstständig und häufiger krank werden. Ein bisschen Dreck schadet nicht, wobei es ja nicht gleich der fremde Finger im Mund des Kindes sein muss ...

 

Außerdem derselbe Inhalt freundlich formuliert, hätte bestimmt die gewünschte Wirkung gehabt. Mehr Menschlichkeit untereinander und Worte als Klärung und nicht als Waffe – das wünsche ich mir mehr in diesem Land.

 

<em>Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen:
Wurzeln und Flügel.</em>
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

 

Herzlichst
Susan Heat
www.susan-heat.de

 

Impressum - http://lieben-und-lachen.over-blog.de

 

 

 

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Veröffentlicht in Von-Mensch-zu_Mensch

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B
Susan, auch wir behandeln im allgemeinen Kinder gut, anders als die, die haben eine andere Kultur. Wir behandeln auch Tiere gut, fahre mal gegen Süden. Hunde und Katzen werden getreten, Vögel zu hundertausenden werden sie mit Flinten abgeschossen. Nein, besser sind die dort im Warmen nicht, sie sind anders.<br /> Lieben Gruß<br /> Bernd
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S
<br /> <br /> Lieber Bernd. Mag sein, dass die Italiener auf Vögel schießen, Katzen und Hunde nicht gut behandeln. Aber Kinder nehmen sie ernst und behandeln sie meist besser als wir Deutschen. Sorry. Aber so<br /> ist es nun mal In Deutschland werden immer noch Wohnungen nicht an Eltern mit mehreren Kindern vermietet. Eltern ab vier bis fünf Kindern gelten als asozial. In diesem Punkt sind die Südländer<br /> entschieden anders und auch wenn es in Deutschland liebevolle Eltern gibt, sind Kinder für viele Deutsche ein Lärm- und Störfaktor ..<br /> Herzlichst<br /> Susan Heat<br /> <br /> <br /> <br />