Sex und Schokolade
![]()
Ich habe auf meine Linie nicht aufzupassen und hatte es niemals zu tun. Was Sie von mir sehen, ist das Ergebnis eines lebenslangen Genusses von Schokolade
Bei dem Wort Schokolade bekommen Frauen glänzende Augen oder sagen solche Sätze: „Ich liebe Schokolade, aber meine Hüften vertragen sie nicht. Sie werden einfach zu rund.“ Für viele ist Schokolade sogar die Verführung pur, das war schon früher so. Derzeit liegt sie gerade voll im Trend, wird mit Süßem, Scharfen, Bittererem, kandierten Rosenblättern, Chili, Zimt, Rosmarin, Orangen und vielem mehr angereichert, um den Gaumen zu verwöhnen.
Man kann Schokoladenbrunnen mieten, in denen die leckere Köstlichkeit verführerisch fließt, und Früchte und Gebäck, Kuchen oder andere Leckerbissen eintauchen. Für jedes Kind ist das ein Traum, aber auch für Erwachsene ein Erlebnis wie im Schlaraffenland. In unseren Köpfen ist meist das Muster verhaftet: Schokolade ist gleichgesetzt mit Belohnung oder liebevoller Zuneigung, weil wir sie als Kind vor allem aus diesen Gründen von den Erwachsenen geschenkt bekamen. Frauen verbinden damit häufig das Denkmuster: Sünde, Verführung und Dickwerden.
Als Kind bekam ich von meiner Oma als Zeichen ihrer Zuneigung in Goldpapier eingewickelte runde Zartbittertrauben mit Rum gefüllt. Viele kleinere Goldstanniolkugeln waren zu einer ganzen Traube in gestanztem Kunststoff drapiert. Diese Goldtraube anzusehen und wie einen Schatz zu besitzen, machte mich zur Märchenfee. Auch den selbstgemachten Eierlikör werde ich nie vergessen, den ich bei meiner Großmutter immer bekam. Da war ich acht Jahre alt. Bei meiner anderen Oma mütterlicherseits gab es zum Frühstück zur Stärkung der Immunkräfte steifgeschlagenes Eiweiß mit Eigelb, Zucker und einem Schuss Rotwein vermengt. Ich liebte diesen Trank.
Meine Mutter gab mir einen Saft namens „Rotbäckchen“ zu trinken, damit ich groß und stark würde. Ich glaubte lange Zeit, dass ich davon wie die Märchenfigur Rotkäppchen rote Wangen bekäme. Später stellte es sich als Couperose heraus.
Ich bin sicher, auch Sie verbinden mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten bestimmte Erlebnisse, Erinnerungen und Genüsse, die Sie bis heute prägen. Zu der braunen Masse gibt es aber noch eine ganze Menge mehr zu erzählen.
*
Nicht nur Frauen lieben Schokolade
Den Azteken war sie die Speise der Götter, die Mayas liebten den Schokoladentrunk und genossen ihn wie wir heute Champagner.
Casanova erfreute sich an Schokolade vor jedem Liebesabenteuer und verordnete sie sich zur Steigerung sexueller Lust und Potenz. Und der Marquis de Sade erlangte mit seinen Rezepten für Schokoladepastillen, -kuchen und -eiscremes noch einen anderen Ruhm als den der „Folterlust“.
Du bist ein erfrischender Schauer, der das Herz benetzt, die Inspirationsquelle für einen Dichtergeist. O, süßer Trunk, Geschenk der Sterne. Du kannst nur ein Trank der Götter sein.
Jesuit Farronius, Spanien 1664)
Auch Johann Wolfgang von Goethe zählte zu den begeisterten Schokoladetrinkern: „Wer eine Tasse Schokolade getrunken hat, der hält einen ganzen Tag auf der Reise aus. Ich tue es immer, seit Herr von Humboldt es mir geraten hat.“ Außerdem verschenkte er sie an seine Herzensdamen: „Gewogen scheinst du mir zu sein, Du lächelst der kleinen Gabe; Und wenn ich deine Gunst nur habe, so ist kein Täfelchen zu klein.“ (J. W. von Goethe an Ulrike von Levetzow, 1823).
Um 1810 diente ihm die Trinkschokolade sogar bei seinen Forschungen zur Farbenlehre: „Farbige Erscheinungen lassen sich fast an allen Blasen beobachten. An den Blasen des Chocoladeschaums sind die Farben fast bequemer zu beobachten als an den Seifenblasen.“
Bis heute übt Schokolade ihre magische Faszination aus, zählt zu den Aphrodisiaka, wenn dies wissenschaftlich bisher auch noch nicht erwiesen wurde. Schokolade feiert gerade eine Renaissance in unglaublichen Varianten. Inzwischen kann man sie auch zu Wein versehren, oder mit einer Schokoladenmassage die Haut verwöhnen. Schokolade gilt als Nervennahrung und enthält neben Magnesium, Eisen, Kalzium auch Vitamin E und Fluorite sowie die Provitamine und Vitamine Beta-Carotin, Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B5, Vitamin B6, Vitamin E 5,3 mg und Folsäure.
Schokolade gilt als Glücksmacher wegen ihrer Anandamine, Botenstoffe, die im Gehirn gebildet werden. Sie können Schmerz stillen und die Stimmung aufhellen. Kakao enthält den Stoff Phenylethylamin. Auch er wird in unserem Gehirn gebildet, besonders dann, wenn wir verliebt sind. Zudem haben US-Wissenschaftler vier- bis fünfmal so viele Antioxidantien in den Kakaobohnen gefunden wie bisher angenommen. Die Antioxidantien können die so genannten Freien Radikalen im Körper abfangen. Also ist Schokoladengenuss Lebenslust pur. Da Schokolade aber auch bis zu 50 Prozent Fett (Kakaobutter) enthält und je heller umso mehr Zucker, sollten Sie sie nicht nur essen. Bieten doch Schokolade wie Pralinen der Fantasie jede Menge Spielraum, sie auf eine erotisch-sinnliche Art und Weise zu genießen.
Und haben Sie erst einmal eine Schokoladenmassage ausprobiert, steht dem nichts im Wege, sie in ihre persönlichen Rituale aufzunehmen. Außerdem ist Schokolade auch etwas für die Sinne. Denn Geruch, Geschmack, Tastsinn sind einbezogen, und das Auge „isst“ auch in diesem Fall mit.
Textauszug aus dem Buch: Die Liebesdiät., Susan Heat, Gaby-Verlag, ISBN 978-3935442244
Susan Heat Love & Life Beraterin, Buchautorin, TV-Expertin - susan-heat.de
Foto: Silvia Buchner/Pixelio
Impressum - http://lieben-und-lachen.over-blog.de