Mein SEX-Report 2008 – Ist der Mensch eigentlich monogam
Es wird geliebt, gepoppt und alle scheinen so frei. Aber sind wir`s wirklich ...
Gleich zu Beginn ein Fakt. In den 70er ging es in Punkto Sex freier zu. Klar, da gab es noch kein Aids, aber Filzläuse, den Tripper uns sonstige Geschlechtsinfektionen gab es auch.
In den 70er gab es Oswald Kolle, der immer noch die Polygamie propagiert. Seine Ehefrau wäre ihm damals wegen seiner Vielweiberei fast abgehauen. Grund war dann, dass er da mit so`ner Jungen rummachte und natürlich zu Hause log, was das Zeug hielt. Da war er halt wie alle Männer. Aber er hat die Deutschen in Punkto Sex mit seinen Aufklärungsfilmen freier gemacht.
Sind wir nun sexuell so frei wie es auf den ersten Blick auf die freien Bauchnabel auf der Straße, die halbnackten Hintern in diesen Bollerhosen glauben macht?
Ganz klar: Nein!
Auch wenn die Deutschen sich mehr Pornos reinziehen, jetzt sogar ihre Kids daneben setzen. Frei macht Pornographie nicht. Im Gegenteil verkündet sie doch ein Bild von Sexualität, dass nur aus „In Besitznehmen“ besteht. Meist nimmt der Mann dabei die Frau und sie dient fast ausschließlich seiner Befriedigung. Gern besorgt`s sie ihm dabei oral, lässt sich von ihm von allen Seiten so richtig durchnudeln. Das nennt sich dann beim Porno Sex und bringt ihn so richtig in Fahrt. Neuerdings wohl auch verstärkt Frauen, die tatsächlich glauben, was sie das sehen.
Laut Untersuchungen ziehen sich gern Jugendliche möglichst viele Pornos rein und nennen das dann Sex. Kein Wunder, wenn sie dann mit ihren Mädels Ärger kriegen. Welche Frau steht wirklich auf den berühmten Saft mitten ins Gesicht oder auf ihren Busen. Mal mag das ja ganz lustvoll sein, aber auf Dauer reicht das nicht für einen erfüllenden Sex.
Dann ist da die Gruppe der Männer, die fast immer noch glauben, dass ihr bestes Stück eine Frau zum Orgasmus bringt. Davon sind sie auch im Jahre 2008 kaum abzubringen. Und dabei ist Länge, Umfang und Ausdauer gar nicht mal entscheidend.
Ein Mythos, der sich hartnäckig hält, auch wenn die Deutschen jährlich neun Mal – also 139 mal - mehr Sex haben als angeblich in den 70er Jahren.
Weiterhin ist da immer noch die große Anzahl von Frauen, die noch nie in ihrem Leben einen Orgasmus hatten, auch nicht wissen wie ihre Klitoris aussieht. Sie aber bereitwillig einem Mann überlassen. Der soll dann machen. Macht er auch, mal besser und eben oft auch schlecht. Dabei ist es nicht mal seine Schuld, wenn er da unten so vor sich hinwerkelt und Frau nix sagt und ihn nur machen lässt.
Toyspartys für Erwachse sind heiß begehrt. Das sind die Runden im privaten Kreis, wo alle Vibratoren, Analketten, Handfesseln und Sonstiges bestaunen und ganz baff sind, was es auf dem Erotikmarkt so alles gibt. Und verwundert wie die Kinder fragen: Wie funktioniert eigentlich Analverkehr?
Sex 2008 ist manchmal wüst, meist lahm und häufig findet er nach kurzer Zeit in Beziehungen gar nicht mehr statt. Zuviel Frust, Gemecker und Enttäuschungen lassen Paare im Bett oder sonst wo nicht gerade zum Höhepunkt kommen.
Klar, Frau kann immer. Will aber oft nicht. Sex als Machtspiel. Gab es schon in grauen Vorzeiten und wird auch heutzutage gern noch benutzt.
Er will immer. Stimmt, aber nicht unbedingt mit der eigenen Frau. Da macht es beim Mann im Kopf einfach klick, wenn er ne scharfe Braut mit dicken Brüsten und einem prallen Hintern sieht. Da kann er gar nix dafür. Das ist quasi automatisch bei ihm eingebaut. In dem Moment vergisst er Frau und Kind und will nur noch sie – die dicke, unbekannte Brust.
Es gibt sie auch immer mehr. Die Gruppe Frauen, die jahrelang ohne Sex leben. Freiwillig-unfreiwillig ist das mehr. Denn nur Sex ist ihnen zu blöd, dafür geben sie sich nicht her. Das geht soweit, dass sie nicht mal mehr masturbieren. Es ist wohl eine Art sich selbst kasteien.
Männer fragen mich oft, ob der Mensch eigentlich monogam ist. Vom Grundsatz her schon, aber da sind halt überall diese Verlockungen. Und die nächste könnte ja besser sein als die, die Mann gerade hat.
Hugh Hefner macht es mit seinen Silikon-Bunnys vor. Mann kann viele haben, bis ins hohe Alter. Viel Geld ist dabei hilfreich, denn Silikonbusen, Botox und Co. kosten nun mal Geld. Aber dafür kann er dann auch so richtig in die Vollen greifen. Polygamie als Marketinginstrument.
Viele haben sich – aufgeklärt und intellektuell und fortschrittlich - auch in der Polygamie versucht. Meist hat es nicht funktioniert. Denn so sehr der Menschen ein Herdentier, beim Sex und in der Liebe macht das häufig nur Stress.
Jeder mit jedem, wo und wann immer er will. Die 70er haben`s vorgemacht. Das hat befreit. Davon ist nicht mehr viel geblieben.
Aids hat die Lockerheit genommen, aber auch sonst beschränken sich Menschen im 21. Jahrhundert und auch im Jahre 2008 auch beim Sex sehr. Die berühmte Schere im Kopf. Die Ansprüche und alles haben wollen. Sex wie im Bordell, dann aber auch Liebe. Ein einziges Wirrwarr.
Immer mehr Männer, auch junge, setzen sich beim Sex extrem unter Druck. Sex als Leistungssport und als Folge: Immer mehr Männer leiden an Impotenz. Immer mehr sind zeugsunfähig. Die Schere im Kopf macht eben auch beim Sex nicht halt.
Immer mehr Frauen sind von Lustlosigkeit befallen, auch extrem junge sind darunter. Anfang 20 und der nächste Sexakt mit dem eigenen Mann wird zum Überwindungsakt. Oft können sie mit ihm nicht mal drüberreden. Wäre er ja sauer, wenn er wüsste, dass er seine Frau nicht mal befriedigt und zum Orgasmus bring.
Beim SEX-Report 2008 geht es also gar nicht so sehr darum, ob von vorn, von hinten, zu zweit, zu dritt oder im Rudel gepoppt, gespritzt oder gestöhnt wird.
Es geht vielmehr darum, wie frei sind wir? Wie lustvoll leben wir unseren Sex? Was lassen wir zu? Was probieren wir aus? Was ist für uns im Jahr 2008 eigentlich Sex?
Und wollen wir ihn monogam? Wollen wir uns auch beim Sex auf einen Menschen einlassen? Es scheint, dass dies den meisten kaum noch gelingt. Der Sex verkommt zum kurzen Reiz. Da bringen die statischen fünfzehn Minuten ohne Vorspiel auch nur einen verzerrten Blick. Geht es um Minuten oder um Lust? Geht es um die Anerkennung des eigenen Bedürfnisses nach Sex, den so lustvoll und schön zu erleben wie möglich und so oft jeder das Bedürfnis danach hat ...
SEX-Report 2008 ... es gibt noch jede Menge zu tun.
Text und Foto: Susan Heat Love & Life Beraterin, Buchautorin, TV-Expertin – susan-heat.de