Ein Verein zu Verlangsamung der Zeit
Diesen Beitrag habe ich aus dem Forum für Vereinigte Kreativität und finde ihn so wichtig, das ich ihn hier einstelle.
Herzlichst
Susan Her
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Es gibt diese eingetragene Vereinigung tatsächlich und mehr Informationen darüber sind unter: www.zeitverein.com zu finden! Mein heutiges Thema lautet: Die Zeit – nein, nicht dieses Wochenblatt des deutschen Bildungsbürgertums. Es soll hier vom Phänomen der Zeit die Rede sein und von der Entschleunigung derselben – was momentan auch in Blättern wie DIE ZEIT ein Thema ist. Ich empfehle in diesem Zusammenhang das Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa:
„Warum kluge Hedonisten den Verzicht üben - und warum nur Entschleunigung den Blick für das Wesentliche schärft.“ LINK: www.zeit.de/2007/52/Interview-Rosa
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Nur geht es mir bei diesem Thema nicht um eine hedonistische Perspektive, vielmehr meldet sich der Philosoph in mir zu Wort. Ich möchte meine Überlegungen mit einem Zitat aus dem „Sanduhr“-Buch des verehrten E. J. Einleiten: „So ist in jedem Studierzimmer, in jeder Bücherstube ein wenig Sanduhr-Stimmung, ein wenig vom Geiste der Melancholia und des heiligen Hieronymus. Es ist da immer Trauer, aber auch immer Behaglichkeit, weil immer Besinnung ist. Jeder wird Stunden kennen, die er dort schweigend oder im Gespräch vertieft verbrachte, und in denen die Zeit, wenn nicht stille zu stehen, so doch gemächlicher zu fließen schien.“ (Seite 9-10 ebenda)
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So, wie ich meinen Herzschlag verlangsamen kann, kann ich auch meine Zeitwahrnehmung „entschleunigen“. Die Zeit wird immer mehr mit Geschwindigkeit in Verbindung gebracht, z. B. in welcher Zeit ich die Strecke von A nach B zurück lege. Wenn ein Porsche-Fahrer die besagte Strecke in der Hälfte der Zeit zurück legt, sollte man/frau diesen „Zeitsparer“ fragen, ob er dadurch länger lebt? Viele verbinden die Beschleunigung der Zeit und das damit verbundene „Zeitmanagment“ als Stress! Diesen Menschen ist die eigene Zeit abhanden gekommen, da sie ihre (Lebens-) Zeit an einen Chef verkauft haben, dessen Maxime lautet: „Zeit ist Geld!“ Der Künstler Hans Arp sagte einmal: „Es muss das größte Schwein gewesen sein, dass sagte: Zeit ist Geld!“ Leider wird dieser in Worte gegossene Ungeist: Zeit ist Geld, heute kaum noch im beschleunigten Westen hinterfragt. Die Wirtschaft herrscht über die Zeit und bestimmt dadurch ihren wirtschaftlichen Wert! Das wir jedoch unsere einmal verausgabte Zeit nicht werden zurückkaufen können, ist allen Beteiligten hoffentlich klar!? Ob es Zeit tatsächlich gibt und, so dies der Fall ist, was Zeit wirklich ist?, halte ich für viel interessanter. Ich schrieb kürzlich schon einmal etwas über die alte, zyklische Zeit, die sich an Zyklen unseres Solarsystems und der Natur orientierte, d. h. diese immer wieder kehrenden Zyklen als natürliche Uhr zur Zeitmessung verwandte.
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Mit dem Aufkommen von mechanischen Zeitmessinstrumenten wurde dann der Zeitbegriff immer unnatürlicher und wohl auch unzyklicher empfunden, da er sich in einen mathematischen, linearen Zeitbegriff zu pervertieren begann. Der Kreis ist jedoch etwas ohne Anfang und Ende, der Kreis stellt somit ein perfektes Zeitsymbol dar, welches die zyklische Wiederkehr alles Seins in der Zeit symbolisiert. Das lineare Konzept ist jedoch in sich unvorstellbar, d. h. es geht von Anfang und Ende der Zeit aus, einem Urknall als Anfang der Zeit, die nach Einstein ohne „Raum & Bewegung“ nicht existieren kann. Vielleicht, liebe Freunde, gibt es die Zeit so wenig wie es einen Gott oder Götter gibt!? Oder sind wir die gedachten Götter, weil wir in der Lage sind Zeit und Götter zu projezieren? Verfüngt nicht jeder von uns über seine eigene, persönliche „Zeit“?, d. h. seine biologische Lebensuhr, die mit seiner Zeugung in Gang gesetzt wurde und mit seinem Hirntod beendet sein wird! So gesehen ist „meine Zeit“ grundsätzlich verschieden von „deiner Zeit“! Unsere biologischen Uhren gehen alle anders und selbst im seltenen Fall, wo zwei Menschen zum selben Zeitpunkt gezeugt wurden, wird doch ihre biologische Uhr zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgelaufen sein.
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<em>Finanzkrise: Auf Sand gebaut und dafür Wucherzinsen kassiert!</em>
Mir persönlich geht es bei meinen Überlegungen um jenes um sich greifende Gefühl der „Unbehaustheit“ in der Zeit, die geistige Verlorenheit des Menschen in heutiger Zeit, der der Natur und ihren Zyklen entfremdet, in der linearen Zeit der globalisierten Kommerzialisierung seine Haut zu Markte tragen muss. Wäre ich ein bekennender Christ, müßte ich behaupten im Zeitalter des Antichristen zu leben, der seine Preisschilder auf die gesamte Schöpfung geklebt hat um diese zu vernichten, d. h. „zu konsumieren“!
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<em>Füher gehörte die Zeit Gott und den Göttern... - Zinsverbot!</em>
Ein Teil der Menschheit lebt also dieses „beschleunigte“ Leben in eine Art von Geschwindigkeitsrausch bzw. leidet mitunter darunter. Andere wenige, haben sich freiwillig „entschleunigt“ und leisten sich den Luxus Herr/Frau ihrer eigenen Zeit zu sein, seien sie nun materiell reich oder nicht. Die Mehrzahl der Unbeschleunigten leben jedoch jenseits der Wohlstandsfestungen und schauen aus Afrika oder Lateinamerika durch den schwer bewachten Zaun der jeweiligen Festung. Diese Hungerleider werden von den Göttern der Beschleunigung in der Regel nicht gebraucht und als Gefahr gesehen, die ihnen den Reichtum der geraubten Güter (inklusive „Wertschöpfung“) streitig machen wollen und auf ihr angestammtes Lebensrecht pochen. Zwar haben wir kürzlich den 60. Jahrestag der Deklaration der Menschenrechte „gefeiert“, die jedoch nicht einklagbar sind, d. h. kaum das Papier wert, auf den sie stehen! Ich sage dies nicht aus Zynismus, vielmehr mit grossem Bedauern und Wirklichkeitssinn. Wir leben, um das Thema hier und heute unvollkommen abzuschliessen, in einer Zeit, die ausser Rand & Band geraten ist. Wer trotzdem seinen geistigen Standpunkt feststellen will, muss sich abkoppeln, entschleunigen, verlangsamen, zum Stillstand kommen, um dann in sternenklarer Nacht wieder geistig Fahrt aufzunehmen, die Geschwindigkeit des Planeten zu fühlen, der in unvorstellbarer Geschwindigkeit um unsere einzige Sonne kreist!
Have a sunny day
wishes
yours frankly
Frank
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