Angst verlieren, Loslassen, sich finden lassen
...und nicht krampfhaft suchen ... einfach mehr im eigenen Fluss sein, Dinge nicht erzwingen, das ist für die meisten Menschen schon sehr schwierig.
Sicher hat auch dies wiederum mit unseren erlernten Mustern in der Kindheit zu tun. Werden wir doch eher so geprägt, möglichst auf Sicherheit zu setzen, in Deutschland ist das bestimmt noch tiefer verwurzelt als in manch anderen südeuropäischen oder südamerikanischen Ländern. Bei uns scheint es mehr verbreitet zu sein, lieber an etwas „zu kleben“ als sich Neuem zuzuwenden, nach dem Motto, was du hast, das weißt du, was du bekommst, das weißt du nicht. Urängste werden geschürt, weil damit verbunden wird, kein Geld mehr fürs Essen, Miete, Kleidung – eben fürs tägliche Leben zu haben. So nutzen viel zu wenige ihre mentale Kraft der Gedanken, egal, ob es sich darauf bezieht, keine Angst vor einem männlichen Angreifer zu haben – ihn sozusagen schon mental abzuwehren und notfalls auch mal richtig zuzuhauen oder zu treten. Das alleinige, was in einer Notsituation hilft: Die oftmals einzige Chance als Frau zu nutzen – den Überraschungsangriff, und den bis zum Limit.
Davor haben erstaunlich viele Frauen Angst. Aber wenn es dem Kerl, der ihnen an die Wäsche will nicht weh tut, wird er im Zweifelsfall auch nicht von ihr lassen. Genauso ist es mit diesen zarten Piepsstimmchen, die frau so pflegt und die „Liebsein“ vermitteln. Nichts gegen Liebsein, aber muss frau sich wirklich so „unter den Teppich kehren“, dass ihre eigene Stimme kaum zu ihr vordringt? Ein Stimmtraining täte vielen Frauen gut, denke ich, um einfach ein besseres Bewusstsein zu sich selbst zu entwickeln und dieses auch an ihre Kinder weitergeben zu können. Denn auch hier gilt: Bin ich mir meines Selbst bewusst, werde ich auch das Selbstbewusstsein meiner Töchter, Enkelinnen, Urenkelinnen fördern, natürlich auch der Söhne, Enkel und Urenkel. Dennoch glaube ich, dass Mädchen hier immer noch mehr Stärkung benötigen als die Jungen, weil uralte Erziehungsmuster sehr tief verwurzelt sind.
Aber noch einmal zu dem Punkt des Findenlassens. Meine Erfahrung ist entsprechend, je mehr ich mich finden lasse, umso leichter läuft es. Die Ruhe und Geduld zu bewahren, es zuzulassen, erfordert sicherlich anfangs ein wenig Übung, aber danach ist es ab einem gewissen Punkt völlig selbstverständlich. Ich glaube, dass Frauen da einen Vorteil haben und sich eher darauf einlassen können.
Sicherlich ist es richtig, dass Männer nicht so häufig die Geduld aufbringen, zu warten, bis ihr Kind schläft, auszuharren und nicht sofort eine Lösung parat haben zu wollen, wenn ihre jugendlichen Sprösslinge mit völliger Unlogik sie überzeugen wollen. Männer sind lösungsorientiert und doch recht empfindsame Wesen, die sich schnell angegriffen fühlen, wo überhaupt kein Angriff stattgefunden hat. Andererseits geht das nicht nur Männern so. Es geschieht durch unsere Erziehung, sofort immer alles werten und bewerten zu müssen, und es persönlich zu nehmen. Don Miguel Ruiz hat das sehr gut in seinen Bücher beschrieben. Wichtig ist Liebe zu leben und unsere Sichtweisen immer wieder zu überprüfen und zu verändern. Das ist der Fluss des Lebens ...
Text: susan-heat.de