Deutsche geistlos und ohne Humor?
Gestern war ein Handwerker aus Dresden bei mir. Ende zwanzig schätze ich, der einen Job in Essen hat. Zehn Tage arbeiten, vier Tage frei. Dann fährt er wieder nach Hause und freut sich jedes Mal. „Dort halten die Leute zusammen, oft bis ans Leben Ende“, hat er mir erzählt. „Wir sind das noch so gewohnt. In der DDR wurde auf Gemeinschaft gesetzt, das hat der Staat so gewollt, und das ist heute noch so. Im Westen empfinde ich die Menschen als recht kalt, einsam und isoliert. Jeder gegen jeden, kein Zusammenhalt.“
Da ist wohl etwas dran. Lächelnde Gesichter sieht man bei uns nicht so oft. Jedenfalls nicht in Städten wie Düsseldorf, Essen, Köln, Frankfurt ... und bestimmt auch nicht im Rest der westlichen Bundesrepublik.
Nachmittags kam ich dann im Café mit einem Herrn Mitte siebzig ins Gespräch, der oft in Frankreich ist und mir erzählt, dass deutsche Frauen nur übers Geschäft reden und sich wundern, wenn sie keinen Mann mehr finden. Spricht sie ein Mann an, denken sie sofort an einen Überfall. Männer wiederum schätzen Frauen in diesem Land nicht sonderlich. Jedenfalls zeigen sie es dem weiblichen Geschlecht nicht.
Das ist etwas dran. Besonders höflich sind die deutschen Männer zu Frauen nicht. Mit ihnen zu Flirten ist fast so schwer als wolle frau den Mount Everest von links nach rechts bewegen.
Dieser Mann ist oft in Frankreich und sagt, er vermisst bei uns den Humor, die Leichtigkeit des Seins, aber auch den Geist: „Was ist aus den Bewohnern des Landes der Dichter und Denker geworden? Sie reden zwar viel, aber meist belangloses Zeug und kommt es zur Diskussion, sind sie groß in der Verbalattacke unterhalb der Gürtellinie. So richtig zeigen sie dann dem Gegenüber, wo es lang geht.“ Wundert es da, dass die SZ gestern schrieb, dass nirgendwo auf der Welt so viele Nachbarschaftsstreits vor Gericht landen.
Was ist aus uns geworden? „Generation Doof: Wie blöd sind wir eigentlich?“ titelt das Buch von Anne Weiss und Stefan Bonner und zeigt auf, was die Deutschen, vor allem die jüngeren Generationen schon alles nicht mehr wissen. Sicherlich sind andere Nationen auch nicht mehr viel klüger, aber den Humor und den Sinn fürs Leben, fürs Flirten und für Menschlichkeit sind ihnen in manchen Ländern noch mehr geblieben, vor allem in den südlichen Ländern.
Darum heute hier mein Wunsch. Bitte besinnt Euch Ihr Deutschen. Wir sind doch das Volk. Dazu gehört, dass wir uns wehren, gegen Ungerechtigkeit und vieles mehr. Aber das Leben, das Lächeln und die Nahrung für den Geist, bittschön, das alles sollten wir auch nicht vergessen.
Herzlichst
Susan Heat – susan-heat.de