Orgasmus durch Kaufsucht
Mehr, mehr, mehr und noch mehr, stöhnte sie und wurde unter der Last fast erschlagen ...
„Es ist ein gewisser Kick. Das ist für eine Frau fast wie ein Orgasmus", erklärt eine Frau, die seit 1984 kaufsüchtig ist und eine Selbsthilfegruppe in Norddeutschland leitet.
Nach dem Höhepunk folgte der schnelle Absturz. Dann breitet sich schlechtes Gewissen uns Scham aus. Bis zum nächsten Rausch und dem Kick. Das Adrenalin schließt durch den Körper, Glücksgefühle machen sich breit. Soviel Befriedigung erlangen Kaufsüchtige nie durch etwas anderes als durch den Kaufakt. Es ist der flüchtige Hype. Kurz, seligmachend und schnell vorbei.
Kaufsüchtige kann man nicht heilen, wie andere Süchtige eben auch nicht. Unter Kontrolle bringen können sie aber ihre Sucht. Lernen, wie sie mit Geld umgehen. Kaufprotokolle anlegen und in Selbsthilfegruppen mühsam zurückerobern, was für andere völlig normal ist. Bedürfnisse wieder zu entdecken. Überflüssiges nicht beachten. Bloß abstellen können sie ihre Kaufsucht nicht. Ein Sucht bleibt lebenslang.
Zu süß diese Erfüllung beim Kauf. Denn nur der Kauf ist wichtig. Was erstanden wird ist völlig nebensächlich. Die Uni Erlangen hat sich in einer Studie mit der Kaufsucht beschäftigt. Neun Männer und 51 Frauen nahmen daran teil. Zwölf Wochen lang dauerte die Therapie. Rund die Hälfte hatte danach die gefährliche Kaufsucht in den Griff. Gefährlich ist eben jede Sucht, da sie abhängig macht, wirtschaftlich und gesellschaftlich die Betroffenen ruiniert. Familien auseinanderbringt und den Kaufsüchtigen an den Rande der Existenz.
Alles dreht sich nur um den nächsten Kauf. Die „Karriere“ eines typisch Kaufsüchtigen. Ein ehemaliger Justizangestellter. „Für mich war Geld nur noch wertloses Papier. Seine Bilanz nach 30 Jahre Kaufsucht: 2.500 Bände Fachliteratur, über 70 hochwertige Spiegelreflexkameras und tonnenweise Werkzeug. Seine Ehe zerbracht. Freunden und Banken schuldet er 100.000 Euro. Sein Motiv: Sucht nach Anerkennung uns Selbstdarstellung. Sein Gegenmittel heute: Ablenken. Lesen, fotografieren, Rad fahren, sind sonst wie betätigen. Den Kaufdrang aus dem Kopf bekommen.
Der Kaufsüchtige gibt zu, damit seine Minderwertigkeitskomplexe kompensiert zu haben. Er wurde kaufsüchtig, aber hätte genauso gut Alkoholiker werden können.
Hier finden Kaufsüchtige Hilfe:
www.kaufsucht.de & www.kaufsuchthilfe.de/
Aber auch Psychologische Beratungsstellen helfen weiter
Susan Heat Love & Life Beraterin, Buchautorin, TV-Expertin - susan-heat.de
Repro: Susan Heat
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