Friday, 24. july 2009
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Living on the wild side und pfeiff drauf, was die anderen von dir denken
Leben, einfach Leben. Wild und ungestüm. Wie geht das noch? Da ist der
Job, da sind die Nachbarn und da sind die Träume ...
Foto: Julia Weimer/Pixelio
Ihre Tochter sieht aus als sei sie ihr aus dem Gesicht geschnitten. Mama ist stolz auf ihre pfiffige Kleine. Die Kleine ist nun schon neun und mit ihrem Schokoteint einfach zum Anbeißen
süß.
„Eigentlich ist das Mädchen ja ein Fehler, sozusagen eine Jugendsünde“, erzählt
mit Elena im Zug von Köln nach Bonn. Dorthin fährt sie mit Sina und den beiden Freundinnen. „Meine Mutter war so entsetzt als ich mit 19 schwanger wurde. Was sollen die Nachbarn denken? Ein
dunkelhäutiges Kind. Was sollen ich denen sagen?“ Ein bisschen wehmütig schaut Elena bei diesen Worten. „Viele Jahre musste ich mich erklären. Ich arbeit im Öffentlichen Dienst. Aber jetzt ist es
gut. Die Kleine ist so aufgeweckt und alle sind von ihr begeistert. Nun fragt keiner mehr blöd.“
Foto: Susan Heat/ Bild: Silvia Klippert
Architektin will sie werden, plappert mir Sina munter ins Ohr. Natürlich eine
besondere, die alte Gebäude restauriert. Bei diesen Worten strahlt das Gesicht ihrer Mama. Die möchte ja gern etwas mit Musik machen, traut sich aber nicht. Was sollen die Leute
denken?
Na, was schon? Sage ich ihr und frage, wen denn das überhaupt interessiert.
Soll sie doch auf ihre innere Stimme hören und nicht auf dieses laute Papperlapapp. Sie ist dran, alles andere zweitrangig. Und ihre Mutter wird schon was zu meckern haben. Hat sie doch glatt
behauptet, dass es für das Gehirn ihrer Enkelin ziemlich ungesund sei, so lange die Luft anzuhalten. Die Kleine ist Synchronschwimmerin aus Leidenschaft und hat mit ihrer Mannschaft schon etliche
Medaillen abgeräumt. Sogar NRW-Landesmeister ist die Truppe geworden und da redet die Oma vom Sauerstoffmangel fürs Gehirn. Dabei ist ihre Enkelin die Beste in ihrer Jahrgangsstufe. Oma, Oma, was
soll der Mensch nur dazu sagen. Darum wird Zeit, dass deine Tochter endlich Musik macht. Am besten was schön lautest. Tuba, Schlagzeug oder Saxophon – da geht dann richtig die Post
ab.
Living on the wild side und pfeiff drauf, was die anderen von dir
denken
Foto: Tiny Tot Titter - Urheber unbekannt
Marlene ist fast 43 und stellt erschrocken fest, dass sie weder Familie oder gar einen Lover hat. Zehn bis zwölf Stunden rackert sie täglich in ihrem Job. Hat dort eine wichtige Aufgabe. Ganz an
die Spitze wollte sie nicht, hätte sie da doch immer reisen müssen. Doch jetzt, oh Schreck, kein Mann, kein Kind und die letzten zwölf Jahre verflogen wie im Flug. Dabei hatte sie sich das alles
ganz anders vorgestellt. Sie liebt ihren Job, ist allerdings seit langem Sklave davon ...
Ein Flirtseminar hat sie mal in Hamburg mitgemacht. Das war richtig klasse.
Aber Theorie und Praxis. Mit wem soll sie flirten, wenn sie abends todmüde vom Job direkt ins Bett fällt. Ach und wann Salsa tanzen? Dabei war sie darin schon richtig gut. Urlaub. Ja, den hat sie
bitter nötig. Im letzten Jahr war sie auf einer ganz ruhige Finca in Andalusien. Bei so viel Ruhe fiel ihr schon am dritten Tag die Decke auf den Kopf. Da hatte sie weder Lust auf Lesen oder
sonst was. Diesmal hat sie Erlebnisurlaub gebucht. Dort will sie flirten bis zum Abwinken, richtig Leben, einfach zur Rampensau werden und über sich hinauswachsen. Das hat sie mir versprochen.
Mal sehen, ob sie sich daran hält.
Living on the wild side und pfeiff drauf, was die anderen von dir
denken
Er ackert, fährt 24-Stunden-Rennen mit dem Rad und ist ansonsten der nette
Junge von nebenan. 38 Jahre alt ist Michael und lebt beschaulich in einem kleinen Ort. Dort kennt ihn jeder, und klar ist er dort bei jedermann beliebt. Natürlich mag er Frauen. Hatte auch
Beziehungen. Die letzte hielt knapp drei Jahre, mit ihr wäre er fast zusammengezogen. Eben aber nur fast. Entschied sie sich doch zu ihrem Mann zurückzukehren. Dort ist sie grottenunglücklich, da
ist Michael sicher. Aber Kontakt will er keinen mehr mit ihr. Das täte doch zu sehr weh. Klar hätte er um sie gekämpft, aber sie gab ihm keine Chance. Da ließ er es gleich bleiben. Sie hatte
Zwillinge, einen Jungen und ein Mädchen, die wollten zurück zum Dad. War ja klar, dass der immer der Vater blieb. Anscheinend hat Michael wohl zulange gezögert, ihr nicht genug Sicherheit
gegeben. Dann war`s irgendwann vorbei.
Jetzt chattet er lieber mit Frauen im Internet. Da gibt`s ja jede Menge Plattformen. Dort sucht
er sich diejenigen, mit denen er seiner Fantasie Flügel verleihen kann. Na eben solche, die tabulos alles mitmachen. Er träumt von Unterwerfung. Ein paar wollten ihm schon mal ordentlich den
Hinter versohlen. Das war ihm aber dann doch ne Nummer zu hart. Aber ne Frau, die über ihn herfällt, ihm die Klamotten vom Leib reißt, ihm sagt, was er tun soll, ja so eine will er. Dafür hängt
er in jeder freien Minute im Chat. Die muss doch dort zu finden sein. Natürlich will er keine Nutte, er ist schließlich nicht pervers und verabscheut käuflichen Sex. Ne, das ist nichts für ihn.
Er will schließlich Anerkennung, geliebt werden und klar, auch erniedrigt werden. Lustsklave sein. Am liebsten mit zwei Frauen und er allein ...
All das tun, wonach ihm gelüstet, und der Frau oder eben den beiden. Muss doch
irgendwie hinzukriegen sein. Dafür chattet er oft rund um die Uhr. Sein letzter Urlaub ging fast ganz dafür drauf. Eine hat getroffen, da sah er sich schon am Ziel seiner Träume. Er wollte sie so
richtig heiß, sexy, stark geschminkt, knallrote Fingernägel, die Klamotten sollte sie ihm vom Leib reißen, mit ihm machen, was sie will. Nur die Augen, die sollte sie ihm nicht verbinden. Er was
so nah dran. Dann hat sie eine Stunde vorm Date abgesagt. Seitdem hängt er wieder im Chat. Immer auf der Suche. Irgendwo muss doch diese Frau zu finden sein.
Wann er sein Leben lebt, habe ich ihn gefragt. Wann entweder die Sau lässt oder
weiterhin niemals Farbe bekennt. Nicht zu sich selbst steht, lieber in seiner erotischen Lustwelt lebt.
Das Leben spielt jetzt ... und nicht in Chats oder sonst wo. Mach was draus. Es
sollte dir wichtig sein.
Living on the wild side und
pfeiff drauf, was die anderen von dir denken
Herzlichst
Eure Susan Heat
www.susan-heat.de
Anregungen in meinem Buch: „Die Liebesdiät“
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